Mittwoch, 17. Juli 2013

Tampa, Florida, USA


Leicht übermüdet ob der frühen Stunde die wir hier bereits auf den Beinen sind, suchen wir uns ein lauschiges Plätzchen in der Lokomotive auf der Fahrt zum Rhein-Main International Airport. Während mein Flügelmann eifrig mit seinem Mobiltelefon beschäftigt ist, versuche ich noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Gerade als ich mir mein Schaffell über meine müden Augen ziehen will, erreicht ein penetranter Gestank nach abgehangener nasser Katze mein empfindliches Riechinstrument. Auf meine Frage, ob er seine Hose offen hat, guckt Olli mich nur mit einer gekünstelten Art von Entrüstung an. Nachdem ich unsere nähere Umgebung abgesucht habe, kann ich die Quelle der Belästigung ausfindig machen. Sitzt direkt hinter uns und sieht so aus wie er riecht. Ich frage mich, wie man seiner Umwelt gegenüber so ignorant sein kann, dass man um diese Uhrzeit bereits derart transpiriert. Das Deo kann da nicht versagt haben, wohl eher die Dusche. Unnötig zu erwähnen, dass Olli mich zurückhält, als ich dem Herrn das Wort „Körperhygiene“ buchstabieren will. Er geht derartigem Spaß ja immer aus dem Weg.

Am Airport angekommen hatte ich mich eigentlich darauf eingestellt, dass wir vor Abflug wieder nen kurzen Abstecher in die Lufthansa Lounge machen, um den Stöckelmiezen auf‘s Ärschchen zu schielen. Doch daraus wird heute nichts, denn mein Bedenkenträger hat Angst den Jet zu verpassen. Tatsächlich kommen wir dann gerade noch rechtzeitig am Gate an, um mit dem Priority Boarding einsteigen zu können. Immerhin haben wir den Star Alliance Gold Status, da müssen wir uns ja nicht zusammen mit dem Pöbel einreihen. Mein gutser Olli hat da jedoch so seine eigene, etwas „andere“ Meinung. Er würde sich auch durchaus mal in der Schlange anstellen, wenn ich da nicht den entsprechenden Druck ausüben würde. Pah!

Bei der US Airways ist das mit den Flugbegleiterinnen in etwa so wie bei der United: Zu jung zum Sterben, zu alt zum Fliegen. Das einzig halbwegs Knackige was du dort serviert bekommst, sind die 3 Blätter Salat, die als Beilage zum „Chicken or Pasta“ gereicht werden.

Gerade als ich dachte, wieder einen Sitzplatz für mich alleine zu haben, erscheint dann doch noch der Sitznachbar, in Gestalt von Jesus persönlich. So stelle ich mir immer Softwareentwickler vor; fettige Matte, Kellerbräune und die Sofapizza noch im verfilzten Bart hängen. Auf Reiseflughöhe angekommen, bestätigt sich schließlich meine Vermutung. Als er sein „Apfel-Notenbuch“ hervor kramt und munter drauf los hämmert, entfährt es meinem Olli „oh Java Programmierer“.
Et voilà, Klischee bestätigt!

Auf meine Frage, weshalb er (mein Olli) eigentlich nie einen solchen Programmierer-Look getragen hatte und immer der Moderebell der Entwicklerszene mimen wollte, bekomme ich als Rückmeldung: „Ich war nie reiner Programmierer, sondern im Projekt tätig und damit auch bei Kunden vor Ort.“
Pah, er will sich nur nich outen! Snob!

Irgendwas ist auf so nem Flug immer los. Entweder sind es quängelnde Kinder, Schnarchtiraden aus allen Himmelsrichtungen oder ein Trottel in der vorderen Reihe, welcher munter seine leere Plastikflasche knetet. Meine Verwunderung, dass das offensichtlich sonst niemanden stört, weicht, als ich erkenne, dass alle umsitzenden Mitreisenden ihren Horcheingang mit Stöpseln oder Kopfhörern verbarrikadiert haben. Macht hier eigentlich jeder was er will? Hätte ich Daumen, würde ich ihm sein Fläschchen quer ins Gesicht drücken. Gerade als ich mich von hinten heranpirschen und dem Radaubruder das Öhrchen pfitzen will, sehe ich mich mit dem erhobenen Zeigefinger meiner mitreisenden Kontrollinstanz konfrontiert. Es scheint als müsste ich mich mit der Vorstellung davon zufrieden geben.

In Charlotte, North Carolina, USA angekommen, werden wir bei der Immigration in einer Warteschlange eingereiht, an deren Ende ein Officer seinen Dienst verrichtet, der ganz offensichtlich gerade noch in Ausbildung ist. Ein Blick auf die benachbarten Officers münzt in der Erkenntnis, dass diese in der Disziplin „Abfertigung“ etwa im Faktor 4:1 schneller sind. Super! Von allem möglichen Optionen bekommen wir den Azubi verpasst. Ist ja wie an der Supermarktkasse. „Murphy‘s Law“ greift offensichtlich überall.
Da sich unser Weiterflug nach Tampa, Florida, USA jedoch um eine gute Stunde verspätet, haben wir noch ein wenig Zeit, um in der US Airways Lounge einen „Coffee with hazelnut flavor“ zu uns zu nehmen; er den Kaffee, ich 2 Döschen von dem Haselnuss Zeugs.
Doch die Dame am Empfang der Lounge hat heute offensichtlich nicht ihren besten Tag. Und auch mein Reiseleiter ist seines englischen Verständnisses heute nicht so recht mächtig. Auf jeden Satz von ihr folgt von ihm ein „Sorry?“, „Excuse me?“, „What said?“, „Sorry?“, „Sorry?“
Alter! Reiß dich zusammen! Du bist ja schlimmer wie der Azubi in Uniform von eben!
Zu seiner Ehrenrettung muss ich jedoch sagen, dass ihr schnodderiger Südstaaten-Akzent etwas schwer zu verstehen ist.

Wenn man, so wie wir, bei einer Airline einen entsprechen Status inne hat, kann es einem schon mal passieren, dass man ungefragt in die First Class upgegrated wird. Kostenlos versteht sich.
Nun, uns ist dies soeben geschehen! Auf unserem Flug von Charlotte, North Carolina, USA nach Tampa, Florida, USA werden wir, schön getrennt vom Rest der Kabine, in der ersten Reihe residieren. Und ich finde das nur standesgemäß.
Im Flieger angekommen sitzt auf unserem Nachbarsitz so ein blondes Rauschgoldengelchen und lächelt uns mit ein „Hi“ an. Also unter uns gesprochen, sie hat mich angelächelt! Bedauerlicherweise quält sie sich ganz offensichtlich mit einem ziemlichen Schlafdefizit, denn noch bevor wir die erste Wolkenschicht durchbrechen, hat sie schon das Mäulchen offen und schnappt nach Fliegen. Ich vertreibe mir die Zeit, inklusive meiner maßlosen Enttäuschung, mit Solitaire auf Olli's Handy.

Tampa begrüßt uns, wie man das von Florida erwartet, mit Platzregen und Gewitterzellen! Bis dahin dachte ich immer, Florida wäre der „Sunshine State“ mit 360 Sonnentagen im Jahr. Passt sich das Wetter etwa extra wegen den beiden abgerissenen Figuren aus Hessen an, damit diese kein Heimweh bekommen? Unsere Nachfrage beim Taximann, ob er mal auf nen anderen Wetterkanal tunen kann, bringt die Information zu Tage, dass zur Zeit Regenzeit mit Hurricanegefahr ist. Das Wetter sei somit also nicht unüblich. Hervorragend!
Glücklicherweise gleicht unser Zimmer diesmal nicht wieder einer Requisite aus Saw 3. Einem gemütlichen Tagesausklang auf dem überdachten Balkon unserer Suite, mit direktem Blick auf die Tampa Bay, steht also nichts im Wege.

Am nächsten Morgen zeigt sich das Wetter dann jedoch wieder versöhnlich und wir genießen einen herrlichen Sonnenaufgang von unserer Terrasse mit Bootsanlegesteg. Offensichtlich hat es meinen Gutsten derart romantisch ergriffen, dass er ungefragt das inoffizielle Florida-Casting für DSDS eröffnet. Zum Leidwesen der koexistierenden Natur brummt er der ollen Otis Redding Klassiker vor sich hin:
„Sitting in the morning sun, I‘ll be sitting when the evening comes. Watching the ships roll in, and I watch 'em roll away again. Sitting on the dock of the bay...“

Leider entpuppt sich der Text des Songs dann auch als Quasi-Versprechen für den heutigen Tag. Mangels Mietwagen und auch sonstiger fehlender Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs, sind wir hier auf diesem idyllischen Fleckchen Florida's gestrandet.
Zu blöd, bin ich doch bei meinen Reisevorbereitungen auf eine Perle des nächtlichen Alkoholgenusses gestoßen: „Ybor City“ soll eine der Top-Partystädte des gesamten amerikanischen Festlandes sein und ist zufälligerweise in der unmittelbaren Umgebung von Tampa angesiedelt. Glaubt man der Legende, so wird dort mit offener Hose geschwoft und der Alkohol ungehemmt im Freien konsumiert. Wer die USA kennt weiß, das Saufen im Freien durchaus eine Rarität darstellt.
Doch wer braucht sowas schon, wenn man romantisch-verklärt am „dock of the bay“ sitzen und den Fischchen beim Hüpfen zuschauen kann. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass ab den frühen Nachmittagsstunden erneut mehrere Gewitterzellen über uns hinwegziehen und auch mir die Partylaune gründlich verhageln.

Sind das Wetter und die Umstände auch noch so schlecht, eines lassen wir uns jedenfalls nicht verhageln: Burger & Beer!
Während Olli im nahe gelegenen Convenient Store ein paar große Behältnisse „Budweiser“ pflückt, ordere ich, zwecks fehlender Alternativen in „Walking distance“, bei einer Burgerbraterrei mit Lieferservice, die entsprechende Beilage. Life's good!

Kontaktfreudig wie ich nunmal bin, pfeif ich ein Pärchen, welches sich gerade auf dem Bootsanlegesteg breit gemacht hat, zu uns herüber. Glücklicherweise haben sie selber Bier dabei, denn da mein Olli für die Getränke zuständig war, könnten wir ihnen noch nicht mal etwas anbieten. So entsteht dann jedoch ein kleiner netter Smalltalk über nicht allzu wichtige Dinge

Leider dürfen wir am nächsten Tag schon wieder unsere Schwimmflügel und das Schlauchboot zusammenpacken. Doch vorher dürfen wir noch eine tolle Morgenstimmung genießen.



Fazit des Trips: Tampa, ich komme wieder! Und nächstes Mal werde ich besser vorbereitet sein!

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