Mittwoch, 14. August 2013

San Francisco and the bay area

Glaubt es oder glaubt es nicht; ich war faul.
Zwar hatte mein Reiseleiter wieder Dinge rausgehauen, die für mehrere Post gereicht hätten, doch hatten San Francisco und die Bay Area so viel mehr zu bieten, dass ich ihn diesmal ungeschoren davonkommen lasse. Stattdessen habe ich mich den schönen Dingen gewidmet und ein wenig mit der Fotografiermaschine rumgespielt. Hier eine kleine Auswahl davon.

Zuerst zog es uns auf die "Twin Peaks". Zwei Erhebungen mitten in San Francisco.


Über den Ausblick brauch ich wohl kein Wort zu verlieren. Awesome! Amazing! Marvelous!


Downtown San Francisco mit der Market Street und dem Financial District im Hintergrund.

Die "Painted Ladies"...

...am Alamo Square. Bunt angemalte Häuschen im viktorianischen Style.

Alcatraz oder besser "The Rock", für alle die den Film gesehen haben.

Das Wahrzeichen von San Francisco vom "Baker Beach" aus gesehen.

Noch ein Wahrzeichen mit der Golden Gate Bridge im Hintergrund.

Und aus einer anderen Perspektive. Diesmal aus dem Presidio Viertel.

Das Schild sagt alles: der Highway No. 1, die Traumstraße Amerikas!

Wild zerklüftet mit kleinen Buchten. Ein Genuss für's Auge hinter jeder weiteren Kurve.


Historische Läden entlang des "Skyline Boulevard".

Beach in Sausalito nördlich der Golden Gate Bridge.

Ebenfalls im Hafen von Sausalito.


Wieder am Highway No. 1 in der "Point Reyes National Seashore".

Blick auf Stinson Beach.

Könnte auch in den Highlands sein, jedoch im "Point Reyes National Seashore".

Die Golden Gate Bridge aus nördlicher Richtung mit Downtown San Francisco im Hintergrund links.

Die Zentrale in Menlo Park, südlich von San Francisco.
"If you're going to San Francisco, be sure to wair some flowers in your hair."
Dem ist nichts hinzuzufügen. Leider hab ich kein Gänseblümchen gefunden, was unter meine Kapuze gepasst hätte. Doch diese Stadt hat mein Herz berührt.
Wenn nur die vielen Touris nicht wären...


Freitag, 2. August 2013

Between Denver and the Rocky Mountains, Colorado, USA

Wie soll ich das deuten, wenn seitens meiner Reiseleitung Schlafsack, Isomatte und Stirnlampe im Koffer platziert werden? Gut, wegen ihm waren wir ja schon immer „Low Budget“ unterwegs, doch müssen wir nun etwa schon unter Brücken pennen? Werde ich mit abgezogenem Fell neben einem Penner aufwachen?
Cool wär‘s ja, wenn wir mal wieder auf einem Campground nächtigen würden. Ich vermisse das Coors-Bier und die Lagerfeuer! Auf meine Anfragen wird lediglich ein „Lass Dich überraschen“, gepaart mit einem dümmlichen Grinsen in den Raum gestellt.
Das wird mir hier zu unheimlich. Unbemerkt von „Seiner Heimlichkeit“ packe ich das Camping-Multi-Besteck von letztem Jahr mit in den Koffer. Da ist wenigstens ein brauchbares Messer dran, sollte die Situation brenzlig werden. Und falls wir doch auf einem Campground aufschlagen, werden wir‘s eh brauchen. Bin mir nur nicht ganz sicher, wie sich das bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen verhält...

Nachdem wir letztes Mal schon keine Zeit hatten, bestehe ich heute auf einen kleinen Abstecher in die Lufthansa Senator Lounge.
Während einem in den Lounges der großen US-Fluggesellschaften, auf dem amerikanischen Kontinent, zur Begrüßung zumeist ein paar abgenutzte „Dritte“ ein einigermaßen freundliches „Welcome" entgegenbringen, ist man sich bei der Lufthansa noch der überaus positiven Wirkung bewusst, welches ein nettes „Welcome“, gehaucht von hübschen, perlweiß lächelnden Engelchen, auf seine Gäste hat. Da lassen die sich nämlich meist nicht lumpen.
Und so werde ich auch heute nicht enttäuscht, als sich hinter der sich öffnenden, milchigen Glastür, ein braun-gebranntes Puppi mit güldenem Haar materialisiert. Ihr einnehmendes Lächeln gibt mir sofort das Gefühl, hier gut aufgehoben zu sein. Leider versucht sich ihr männliches Pendant nebenan mit einem ähnlich einnehmendem Lächeln, was in mir doch eher einen massiven Fluchtreflex entfesselt. Ich bin mir allerdings sicher, dass ihr Lächeln mir galt, während ihr Kollege ganz bestimmt den Olli begafft hat. Ja! Mit dieser Sichtweise komme ich zurecht und stürze ich mich auf‘s Buffet.

Platinum baby! Seit Kurzem haben wir den zweithöchsten Status bei der United. Danach kommt nur noch „Gott“. Leider hat das mal wieder keine Auswirkungen auf ein kostenloses Upgrade in die Business, weswegen wir uns mit den Economy Plus Sitzen begnügen.
Als Menu geben wir heute einmal mehr „Chicken“ den Vorzug gegenüber „Pasta“. Ich begnüge mich mit dem Tütchen Salzgebäck, welches als „Odeuvre“ serviert wurde.

Ob ich auch sehen würde, was auf der Verpackung steht, will Olli wissen.
„Chicken with shitake sauce. Shit-ake? Klingt ziemlich fieß.“ gebe ich zurück und ergänze: „Bon appetit monsieur! Schnall Dich lieber schon mal ab und schau, welche „Lavatory“ am Nächsten ist; nur falls die Schmerzen zu groß werden.“
Ich komme nicht umhin, mir bei dem Gedanken ins Fell zu brüllen.
Offensichtlich beschäftigt ihn das Thema wirklich, denn er sucht in seiner Übersetzungs-App nach dem Begriff „shitake“, allerdings ohne Erfolg.
„Gibt‘s nicht.“
„Gibt‘s schon, “ antworte ich „nur nich in deinem Pseudo-Wörterbuch. Wir fragen später im Hotel mal die Tante Google. Du hast den Captain doch vorhin gehört. Lehn dich zurück und genieße den Flug; und dein 'shit ake'!“
„Irgend 'ne Pilzsauce.“ entfährt es ihm, nachdem er den ersten Bissen unten hat.
„Jaaa, die können giftig sein und eben solche Schmerzen verursachen! Ich würde lieber erst mal die Reaktionen der Nachbarn abwarten!“ kann ich nicht anders, als zu giggeln, lasse ihn dann jedoch in Ruhe sein Henkersmahl genießen.
Um dem vorweg zu greifen, es ist leider alles drin geblieben und Schmerzen gab‘s auch keine. Eine spätere Recherche offenbart einen Schreibfehler. Eigentlich hätte es „Shiitake“ heißen müssen, da der Begriff aus dem asiatischen Raum kommt. Um Wikipedia zu zitieren:
„Der Shiitake oder Shii-Take ist eine Pilzart aus der Familie der Ölbaumtrichterlingsverwandten. Eine Zeit lang wurde er den Schwindlingsverwandten zugeordnet, klassisch wurde er unter den Ritterlingsverwandten eingereiht.“
Ich kann verstehen, wenn nun der Ein oder Andere ebenfalls etwas sparsam dreinschaut. Mir erging es nicht anders. Mein Gutster hat jedoch wieder die phylosophische Büchse der Pandora aufgerissen, weswegen ich mich daraufhin kurzerhand ins Bad zurückgezogen habe.

Chicago – The Windy City. Heimat von Al Capone. Der Sears Tower und Downtown. Toll zu sehen beim Landeanflug. Doch für uns heute unerreichbar. Hier geht’s nur zur Immigration und dann wird umgestiegen für den Weiterflug nach Denver.
Die Immigration verläuft blasenfrei und fix, jedoch leider leider, haben die Herren beim Security Check ein paar Vorbehalte gegenüber dem Inhalt unseres Gepäcks. Um genauer zu sein, das praktische Camping-Multi-Besteck hat hier in Chicago gerade einen neuen Besitzer gefunden. Nun, da waren die deutschen Kollegen ganz offensichtlich ein wenig toleranter. Wie man sich vorstellen kann, ist mein Kofferträger über diesen Zwischenfall „not amused“ und gibt mir das auch unterschwellig zu verstehen.

Am nächsten Morgen hat er diesen „Fauxpas“ dann jedoch augenscheinlich wieder vergessen, denn als ich wach werde steht er schon fast ausgehfertig im Hotelzimmer und flötet mir zu:
„Mohin Jolly! Gut gepennt?“
„Ging so, hab von Dir geträumt wie du verzweifelt versucht hast, am Campground das Lagerfeuer zu entzünden. Wie Tom Hanks in 'Cast Away' wolltest Du mit Holzstäbchen das Feuer anmachen, obwohl Dir der halbe Campground Feuerzeuge hingehalten hat.“
„Was?“ lacht er mich an.
„Ja zum Lachen war den umstehenden Personen dann auch zumute, als Du irgendwann gebrüllt hast 'Da muss Luft ran!'. Peinlich nur, als Du Dich dann umgedreht hast und Deine 'Abgasluft' auf die Feuerstelle geblasen hast.“
„Was hast denn du für bescheuerte Träume? Geht’s noch weiter?“
„Ja aber ich möchte das gerne einfach verdrängen, sonst nehme ich mir den nächsten Flieger nach Hause.“
„Naja Kumpel.“ meint er und wedelt mit einem Päckchen Streichhölzer. „Ich schätze das passiert uns mit 'ner Flasche Grillanzünder heute nicht.“

Muuuaahaaahaaa!! Es geht campen!!

Wir lassen uns vom hoteleigenen Shuttle zum einige Meilen entfernten Flughafen fahren, und besteigen dort den Bus vom Mr. Alamo (unserer Mietwagenfirma), welcher uns zum Mietwagenzentrum bringen soll. Über Funk kommuniziert der Fahrer offensichtlich mit ein paar anderen Buskollegen. Wirklich viel kann ich aus dem Gekrache und Genuschel nicht heraushören, doch anscheinend wünschen sie sich alle gut gelaunt einen Guten Morgen, jeder eben auf seine individuelle Art und Weise. Das geht so weit, dass die Fahrgäste ihrerseits in das gut gelaunte Stimmengewirr mit einsteigen und mit dem Fahrer flachsen. Da wir beide ja nur bedingt verstehen, um was es eigentlich geht, sitzen wir mehr oder weniger steif grinsend inmitten von fröhlichen, laut lachenden und gestikulierenden Menschen. Ein wenig fehl am Platz komme ich mir schon vor und weiß nicht so recht, wohin mit mir. Die müssen sicher denken, dass wir Autisten sind oder gerade meditieren; oder einfach steife Deutsche sind. Recht peinlicher Moment wie ich finde.
Ich stelle mir eine solch fröhliche Szene in deutschen Bussen zur morgendlichen Rushhour vor und muss kurz laut auflachen. Undenkbar.

Da die Auswahl in unserer gebuchten Mietwagenklasse doch recht übersichtlich ist, entscheiden wir uns für einen Toyota RAV, da er mit umgeklappter Rücksitzbank die großzügigste Liegefläche bereithält. Ich hätte ja lieber den Ford Escape genommen, doch da müsste der Olli wohl stehend im Wald schlafen und das will ich ihm nun nicht antun. Also diesmal nicht.

Blick auf Golden mit der Coors Brauerei im Hintergrund
Über die Interstate fahren wir in Richtung Golden, westlich von Denver gelegen. Dem ein oder anderen Leser sollte nun unvermittelt das Wasser im Mund zusammenlaufen, handelt es sich bei dem Örtchen Golden doch um das Headquarter von „Coors“, einer beliebten amerikanischen Biermarke. Und auch mein Fahrer fängt an zu sabbern, wie ein Rottweiler der vor einer Fleischwurst liegt, je näher wir dem Ort kommen. Vor einigen Jahren war er mit ein paar Jungs wohl schon einmal hier, damals auf Brauereibesichtigung mit anschließender Verköstigung. Er will angeblich wieder der Nüchternste von allen gewesen sein. Ich werde mir die Story zu gegebener Zeit mal von seinen damaligen Mitreisenden erzählen lassen.

Über den „Lookout Mountain“ geht es nun endültig raus aus der „Denver Area“ zum Walmart in Evergreen, der letzten größeren Ansammlung von Geschäften, bevor die Rockies beginnen. Alles was wir eben so benötigen, wird hier großzügig erworben. Nachdem wir unseren Toyota mit Burgerfleisch, Buns, Salat, Bier, Dr. Pepper, selbstentzündender Grillkohle, 2 Paketen Feuerholz und allerlei weiteren nützlichen Dinge beladen haben, verlassen wir die Zivilisation, nicht ohne vorher noch ein großes Oreo-Shake beim örtlichen Carl's Jr. zu erstehen.

"Idaho Springs. Where the Gold Rush Began!"
In Idaho Springs verlassen wir die Interstate. Als wir in das rund 1700 Seelen Örtchen einfahren, werde ich von meinem Geschichtslehrer darüber informiert, dass in diesem Örtchen damals in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Goldrausch in Colorado begann.
„1859 nicht war?“ entgegne ich ihm bewusst überheblich, woraufhin er mich etwas ertappt aus dem Augenwinkel mustert.
„Woher weißt Du?“
„Ich hab das gleiche Schild gelesen, welches am Ortseingang an uns vorbeigeflogen ist.“ hole ich ihn wieder auf den Boden und ergänze „Du brauchst bei mir nicht mehr das Intellektuellenschauspiel aufzuführen. Ich war letztes Jahr 3 Monate mit dir unterwegs, du erinnerst dich sicher, Mr. Ollipedia.“
Das hat zwar gesessen, doch ich fühle mich nicht schlecht dabei.

Über den Central City Parkway gelangen wir zu dem gleichnamigen Örtchen Central City und dem benachbarten Black Hawk, ebenfalls alte Minenstädte aus der Goldrauschzeit. Gegenüber dem etwas runtergekommenen Idaho Springs haben diese beide Städtchen sich jedoch neu erfunden, als das Glücksspiel in Colorado legalisiert wurde. Vor allem Black Hawk wurde zu einem der bedeutendsten Glücksspielparadise Colorados. Diesmal Wikipedia.


Downtown Central City

Die Casinomeile in Central City

Blick auf Black Hawk mit dem "Ameristar Casino Resort"

Downtown Black Hawk mit der Casinomeile

Hauptgewinn des "Bullwhackers Casino"

Blick von der Einfahrt zu unserem Campground
Kurz hinter Central City müssen wir uns entscheiden, ob wir den „Columbine“ oder den „Cold Springs Campground“ ansteuern wollen. Gerade als wir an der Abzweigung halten und kurz aussteigen wollen, hält der Sheriff von Gilpin County in seinem Pickup Truck neben uns und erkundigt sich, ob wir Hilfe benötigen. Nachdem wir uns als Camper auf der Durchreise geoutet haben, schlägt er uns den „Cold Springs Campground“ als Möglichkeit seiner Wahl vor. Auf dem „Columbine Campground“ seien wohl sehr viele „Locals“, die mit ihren ATVs jede Menge Lärm machen. Zu späterer Stunde dann noch viele „drunken jerks“ als kostenlose Zugabe.
Klingt für uns nach einer ziemlichen Assikommune, weswegen wir den freundlichen Ratschlag des Officers annehmen und uns kurzerhand für den „Cold Springs Campground“ entscheiden.
 
Während Olli mit dem Zeltplatz-Hausmeister die „Vertragsverhandlungen“ führt, schwänzelt deren befellter Flohzirkus um mich herum. Als „es“ jedoch meinen Intimbereich beschnuppern will, wird es mir doch etwas zu blöd und ich stelle die natürliche Distanz wieder her, indem ich „es“ erfahren lasse, wie sich ein halb verdauter Bacon-Burger vom Vorabend in der Stirnhöhle anfühlt. Ha! Ich glaub es hackt!

Ich könnte jetzt erzählen, wie genial der Nachmittag und der weitere Abend waren, mit Coors-Light, 3 Grill-Sessions und dem abendlichen Lagerfeuer. Smalltalk mit den Nachbarn, ekelhaften Donnerbalken und einem wunderschönen Nachthimmel. Countrymusic von einer benachbarten Campsite, schnorrenden Hörnchen und dem nächtlichen Schrecken, wenn einem beim Pinkeln ein Reh anglotzt. Aber ich werde nichts erzählen, denn mir war ganz schön warm um's Herz und zu viel Sentimentalität hat hier nix zu suchen.

Also wenn ich es nicht besser wüsste, ich könnte schwören, wir wurden zu unserer letztjähirgen Tour zurückgebombt. Seit wir auf dem Campground angekommen sind, hatte ich ja bereits ein paar Deja-Vus, doch die Nacht ganz besonders. Ständig hatte der Nörgelheini irgendwas auszusetzen; blöde Liegefläche, blöder Schlafsack, stinkt, kalt...
Amazing! So real, dass ich dachte, gleich kommt Nigel mit seinem Union Jack Fläggchen um die Ecke geradelt.

Ein traumhafter Morgen bricht an. Ich hatte schon fast vergessen, wie schön sowas an einem Campground sein kann. Zusammen mit der Sonne aufzustehen. Zuzusehen wie die Natur erwacht. Wie sich die Luft erwärmt. Hier ein Vogel, dort ein Eichhörnchen und diese perfekte Ruhe. Wow, für einen Moment bin ich tatsächlich überwältigt und ich möchte aus einer spontanen, sentimental-romantischen Laune heraus den Olli drücken. Doch dann seh ich ihn, wie er sich aus seinem Schlafschlauch pellt und mir mit einem traumhaften Morgengulli „Moin Jolly, gut gepennt? Alles klar?“ entgegen haucht.
„Bis eben noch hatte ich romantische Gedanken an unsere letztjährige Tour. Wegen den tollen Morgen am Campground und so.“ entgegne ich ihm.
„Wieso bis eben? Was ist passiert?“
„Du bist wach geworden!“
Vielleicht war das bissl gemein, denn er guckt mich plötzlich an, wie ein Vögelchen, was aus dem Nest gefallen ist.
„Tut mir leid.“ entschuldige ich mich schnell. „es ist nur..., beerdige mal die tote Katze, die aus Deinem Mund hängt, dann is alles gut.“
„Ach deswegen? Naja Jolly“ meint er doch glatt „so ähnlich mockst du den ganzen Tag.“
„Werd mal nicht frech!“ entgegne ich ihm und bin drauf und dran, meine Entschuldigung zurückzuziehen.

Respektable Kaffeegröße
„Geiles Wetter, eh? Was machen wir heute?“ fragt mich ein frisch von der Mundhygiene zurückgekehrter Olli.
„Wir müssen erst heut Abend wieder im Hotel sein, richtig?“
„Richtig!“ grinst er mich breit an und versucht dabei eine Art Bestätigung mit seinen Fingern zu formen. Leider verkommt das zu einer – hoffentlich ungewollten – Geste, wie sie unter dem lokalen Gangsterrappernachwuchs wohl eher anzutreffen ist.
„Naja, ich meine, wir sind in den Rocky Mountains! Colorado buddy! Wir haben geniales Wetter. Und wir sind zwei heiße Typen. Was hälst du von nem kleinen geilen Roadtrip? Fenster runter, Arm in den Wind und ganz gemütlich durch‘s Backcountry cruisen. „98.5 KYGO New Country Radio Station“. Jason Aldean, Jake Owen, Kenny Chesney, Tim McGraw! Muss ich noch mehr sagen?!“
„Alan Jackson hast du vergessen!“ wirft er mir enthusiastisch entgegen.
„You‘re right man, let the good times roll!"

Im Clear Creek Canyon

Echo Lake Park

Die östlichen Rockies am Squaw Pass

Ein Hauch von Südwesten im Red Rock Park

Man stelle sich das in Deutschland vor

Ein cooler Trip neigt sich dem Ende. Über Chicago geht’s zurück nach Frankfurt. Wir bringen den Mietwagen zurück und sind noch rechtzeitig am Gate um mitzubekommen, dass in der First Class noch ein Plätzchen frei ist. Und wie's der Zufall so will, steht der „Kra, O“ auch noch an erster Postion der Upgrade Liste.
Eine kurze Nachfrage bei der freundlichen jedoch optisch wenig ansprechenden Mitarbeiterin beschert uns ein First Class Ticket. Life‘s Good. Und da der Flug nach Chicago etwa 2 Stunden dauert, gibt‘s auch ein Frühstück. Life‘s Very Good!

Fazit: Fast schon zu harmonisch. Muss mir was einfallen lassen.



Mittwoch, 17. Juli 2013

Tampa, Florida, USA


Leicht übermüdet ob der frühen Stunde die wir hier bereits auf den Beinen sind, suchen wir uns ein lauschiges Plätzchen in der Lokomotive auf der Fahrt zum Rhein-Main International Airport. Während mein Flügelmann eifrig mit seinem Mobiltelefon beschäftigt ist, versuche ich noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Gerade als ich mir mein Schaffell über meine müden Augen ziehen will, erreicht ein penetranter Gestank nach abgehangener nasser Katze mein empfindliches Riechinstrument. Auf meine Frage, ob er seine Hose offen hat, guckt Olli mich nur mit einer gekünstelten Art von Entrüstung an. Nachdem ich unsere nähere Umgebung abgesucht habe, kann ich die Quelle der Belästigung ausfindig machen. Sitzt direkt hinter uns und sieht so aus wie er riecht. Ich frage mich, wie man seiner Umwelt gegenüber so ignorant sein kann, dass man um diese Uhrzeit bereits derart transpiriert. Das Deo kann da nicht versagt haben, wohl eher die Dusche. Unnötig zu erwähnen, dass Olli mich zurückhält, als ich dem Herrn das Wort „Körperhygiene“ buchstabieren will. Er geht derartigem Spaß ja immer aus dem Weg.

Am Airport angekommen hatte ich mich eigentlich darauf eingestellt, dass wir vor Abflug wieder nen kurzen Abstecher in die Lufthansa Lounge machen, um den Stöckelmiezen auf‘s Ärschchen zu schielen. Doch daraus wird heute nichts, denn mein Bedenkenträger hat Angst den Jet zu verpassen. Tatsächlich kommen wir dann gerade noch rechtzeitig am Gate an, um mit dem Priority Boarding einsteigen zu können. Immerhin haben wir den Star Alliance Gold Status, da müssen wir uns ja nicht zusammen mit dem Pöbel einreihen. Mein gutser Olli hat da jedoch so seine eigene, etwas „andere“ Meinung. Er würde sich auch durchaus mal in der Schlange anstellen, wenn ich da nicht den entsprechenden Druck ausüben würde. Pah!

Bei der US Airways ist das mit den Flugbegleiterinnen in etwa so wie bei der United: Zu jung zum Sterben, zu alt zum Fliegen. Das einzig halbwegs Knackige was du dort serviert bekommst, sind die 3 Blätter Salat, die als Beilage zum „Chicken or Pasta“ gereicht werden.

Gerade als ich dachte, wieder einen Sitzplatz für mich alleine zu haben, erscheint dann doch noch der Sitznachbar, in Gestalt von Jesus persönlich. So stelle ich mir immer Softwareentwickler vor; fettige Matte, Kellerbräune und die Sofapizza noch im verfilzten Bart hängen. Auf Reiseflughöhe angekommen, bestätigt sich schließlich meine Vermutung. Als er sein „Apfel-Notenbuch“ hervor kramt und munter drauf los hämmert, entfährt es meinem Olli „oh Java Programmierer“.
Et voilà, Klischee bestätigt!

Auf meine Frage, weshalb er (mein Olli) eigentlich nie einen solchen Programmierer-Look getragen hatte und immer der Moderebell der Entwicklerszene mimen wollte, bekomme ich als Rückmeldung: „Ich war nie reiner Programmierer, sondern im Projekt tätig und damit auch bei Kunden vor Ort.“
Pah, er will sich nur nich outen! Snob!

Irgendwas ist auf so nem Flug immer los. Entweder sind es quängelnde Kinder, Schnarchtiraden aus allen Himmelsrichtungen oder ein Trottel in der vorderen Reihe, welcher munter seine leere Plastikflasche knetet. Meine Verwunderung, dass das offensichtlich sonst niemanden stört, weicht, als ich erkenne, dass alle umsitzenden Mitreisenden ihren Horcheingang mit Stöpseln oder Kopfhörern verbarrikadiert haben. Macht hier eigentlich jeder was er will? Hätte ich Daumen, würde ich ihm sein Fläschchen quer ins Gesicht drücken. Gerade als ich mich von hinten heranpirschen und dem Radaubruder das Öhrchen pfitzen will, sehe ich mich mit dem erhobenen Zeigefinger meiner mitreisenden Kontrollinstanz konfrontiert. Es scheint als müsste ich mich mit der Vorstellung davon zufrieden geben.

In Charlotte, North Carolina, USA angekommen, werden wir bei der Immigration in einer Warteschlange eingereiht, an deren Ende ein Officer seinen Dienst verrichtet, der ganz offensichtlich gerade noch in Ausbildung ist. Ein Blick auf die benachbarten Officers münzt in der Erkenntnis, dass diese in der Disziplin „Abfertigung“ etwa im Faktor 4:1 schneller sind. Super! Von allem möglichen Optionen bekommen wir den Azubi verpasst. Ist ja wie an der Supermarktkasse. „Murphy‘s Law“ greift offensichtlich überall.
Da sich unser Weiterflug nach Tampa, Florida, USA jedoch um eine gute Stunde verspätet, haben wir noch ein wenig Zeit, um in der US Airways Lounge einen „Coffee with hazelnut flavor“ zu uns zu nehmen; er den Kaffee, ich 2 Döschen von dem Haselnuss Zeugs.
Doch die Dame am Empfang der Lounge hat heute offensichtlich nicht ihren besten Tag. Und auch mein Reiseleiter ist seines englischen Verständnisses heute nicht so recht mächtig. Auf jeden Satz von ihr folgt von ihm ein „Sorry?“, „Excuse me?“, „What said?“, „Sorry?“, „Sorry?“
Alter! Reiß dich zusammen! Du bist ja schlimmer wie der Azubi in Uniform von eben!
Zu seiner Ehrenrettung muss ich jedoch sagen, dass ihr schnodderiger Südstaaten-Akzent etwas schwer zu verstehen ist.

Wenn man, so wie wir, bei einer Airline einen entsprechen Status inne hat, kann es einem schon mal passieren, dass man ungefragt in die First Class upgegrated wird. Kostenlos versteht sich.
Nun, uns ist dies soeben geschehen! Auf unserem Flug von Charlotte, North Carolina, USA nach Tampa, Florida, USA werden wir, schön getrennt vom Rest der Kabine, in der ersten Reihe residieren. Und ich finde das nur standesgemäß.
Im Flieger angekommen sitzt auf unserem Nachbarsitz so ein blondes Rauschgoldengelchen und lächelt uns mit ein „Hi“ an. Also unter uns gesprochen, sie hat mich angelächelt! Bedauerlicherweise quält sie sich ganz offensichtlich mit einem ziemlichen Schlafdefizit, denn noch bevor wir die erste Wolkenschicht durchbrechen, hat sie schon das Mäulchen offen und schnappt nach Fliegen. Ich vertreibe mir die Zeit, inklusive meiner maßlosen Enttäuschung, mit Solitaire auf Olli's Handy.

Tampa begrüßt uns, wie man das von Florida erwartet, mit Platzregen und Gewitterzellen! Bis dahin dachte ich immer, Florida wäre der „Sunshine State“ mit 360 Sonnentagen im Jahr. Passt sich das Wetter etwa extra wegen den beiden abgerissenen Figuren aus Hessen an, damit diese kein Heimweh bekommen? Unsere Nachfrage beim Taximann, ob er mal auf nen anderen Wetterkanal tunen kann, bringt die Information zu Tage, dass zur Zeit Regenzeit mit Hurricanegefahr ist. Das Wetter sei somit also nicht unüblich. Hervorragend!
Glücklicherweise gleicht unser Zimmer diesmal nicht wieder einer Requisite aus Saw 3. Einem gemütlichen Tagesausklang auf dem überdachten Balkon unserer Suite, mit direktem Blick auf die Tampa Bay, steht also nichts im Wege.

Am nächsten Morgen zeigt sich das Wetter dann jedoch wieder versöhnlich und wir genießen einen herrlichen Sonnenaufgang von unserer Terrasse mit Bootsanlegesteg. Offensichtlich hat es meinen Gutsten derart romantisch ergriffen, dass er ungefragt das inoffizielle Florida-Casting für DSDS eröffnet. Zum Leidwesen der koexistierenden Natur brummt er der ollen Otis Redding Klassiker vor sich hin:
„Sitting in the morning sun, I‘ll be sitting when the evening comes. Watching the ships roll in, and I watch 'em roll away again. Sitting on the dock of the bay...“

Leider entpuppt sich der Text des Songs dann auch als Quasi-Versprechen für den heutigen Tag. Mangels Mietwagen und auch sonstiger fehlender Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs, sind wir hier auf diesem idyllischen Fleckchen Florida's gestrandet.
Zu blöd, bin ich doch bei meinen Reisevorbereitungen auf eine Perle des nächtlichen Alkoholgenusses gestoßen: „Ybor City“ soll eine der Top-Partystädte des gesamten amerikanischen Festlandes sein und ist zufälligerweise in der unmittelbaren Umgebung von Tampa angesiedelt. Glaubt man der Legende, so wird dort mit offener Hose geschwoft und der Alkohol ungehemmt im Freien konsumiert. Wer die USA kennt weiß, das Saufen im Freien durchaus eine Rarität darstellt.
Doch wer braucht sowas schon, wenn man romantisch-verklärt am „dock of the bay“ sitzen und den Fischchen beim Hüpfen zuschauen kann. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass ab den frühen Nachmittagsstunden erneut mehrere Gewitterzellen über uns hinwegziehen und auch mir die Partylaune gründlich verhageln.

Sind das Wetter und die Umstände auch noch so schlecht, eines lassen wir uns jedenfalls nicht verhageln: Burger & Beer!
Während Olli im nahe gelegenen Convenient Store ein paar große Behältnisse „Budweiser“ pflückt, ordere ich, zwecks fehlender Alternativen in „Walking distance“, bei einer Burgerbraterrei mit Lieferservice, die entsprechende Beilage. Life's good!

Kontaktfreudig wie ich nunmal bin, pfeif ich ein Pärchen, welches sich gerade auf dem Bootsanlegesteg breit gemacht hat, zu uns herüber. Glücklicherweise haben sie selber Bier dabei, denn da mein Olli für die Getränke zuständig war, könnten wir ihnen noch nicht mal etwas anbieten. So entsteht dann jedoch ein kleiner netter Smalltalk über nicht allzu wichtige Dinge

Leider dürfen wir am nächsten Tag schon wieder unsere Schwimmflügel und das Schlauchboot zusammenpacken. Doch vorher dürfen wir noch eine tolle Morgenstimmung genießen.



Fazit des Trips: Tampa, ich komme wieder! Und nächstes Mal werde ich besser vorbereitet sein!

Dienstag, 16. Juli 2013

Here we go again

So werte Freunde des gepflegten Rülpsers,

nachdem ich auf dem letztjährigen Fahrradausflug durch die US of A bereits zum reinen Fotoobjekt degradiert wurde, und mein Beifahrer sich nun schon wieder auf diese Schiene begibt, ist es an der Zeit hieran etwas zu ändern! Obendrein wurden meine Vorschläge, dass er doch endlich wieder eine Art Reiseblog aufleben lassen sollte, konsequent ignoriert; was vielleicht gar nicht von Nachteil ist, denn das letztjährige romantisch-verklärte Geschwafel konnte sich ja niemand mehr antun.

Zukünftig werde daher ich, sein treuer Begleiter Jolly, passend zu unseren derzeitigen Kurztrips, einige Kurzerzählungen posten. Don Olli meint zwar, dass es hierbei doch gar nicht so viel zu erzählen gäbe, doch die letzten Wochen haben mich eines Besseren belehrt.

Ich habe ihm die Chance gegeben, doch wer nicht hören will...